1938–39 Fumages and Plans for Exile

1938 he showed his new Fumage-paintings, which made his reputation as painter, in a show in Renou et Colle Gallery in Paris, with a catalogue text by Breton, written in the Bermudas on his trip to Mexico. He published also the Lichtenberg-text Göttinger Taschenalmanach in surrealist magazine Minotaure with illustrations by him. In 1938 the Paalens made friendship with Frida Kahlo during her visit in Paris. She invited the couple to Mexico, where Paalen wanted to organize a Surrealist exhibition. Marcel Duchamp recommendet him to Peggy Guggenheim and Julien Levy, who had just opened their new galleries. After his one-man-show at the Guggenheim Jeune Gallery in Cork Street, London, (March 1939) as the first of the surrealists he decided to leave Europe and travelled first to New York in May 1939 together with his wife Alice and Eva Sulzer. The same year he traveled through British Columbia where he collected a major totem house-screen with the representation of a bear-woman, accessible through a hole in the womb (now in the Denver Art Museum). His literary text Paysage totémique, later published in his magazine DYN, originates in the travel-notebooks, films and photographs of this voyage. In September, he arrived in Mexico, where Diego Rivera and Frida Kahlo accompanied him to a house in Coyoacán, next to Kahlo´s Casa Azul (The Blue House), which they had rented for him.

 

Wolfgang Paalen, Pays interdit, 1936-37

Wolfgang Paalen, Pays interdit, 1936-37 Private collection, Berlin ©Succession Wolfgang Paalen

 

Paalens mit Kerzenrauch begonnene und dann in Öl ausgeführte Fumage-Bilder, die er 1936 und 37 in Paris malte, kreisen sein Urthema des halluzinativen Wahrnehmungserlebnisses (“die halluzinatorischen Sicherheiten, die mich leben lassen”) und die darin aufgehobene Trennung der Realitäten über thematische Bezüge aus der Welt der Feenmythologie, dem Totemismus, dem Kult der Muttergöttin und der angstgesteuerten Epiphanie ein. Auftakt dieser Bildserie war eine länger anhaltende Affäre Pablo Picassos mit Alice, die zu einer Schwangerschaft und Abtreibung geführt hatte. Die tiefe Krise des Ehepaars und Paalens ernstzunehmende Depressionen führten in der Folge zu einem fulminanten Schaffensrausch, dessen erstes Ergebnis sein zugleich erstes surrealistisches Meisterwerk ist: Pays interdit (Verbotenes Land), 1936–1937, eine apokalyptische Landschaft, dominiert von einer weiblichen Gottheit und herabfallenden, meteorartigen Planeten. Pays interdit ist auch das erste Ölbild, in dem die Fumage in den außerordentlich fein ausgeführten kristallinen Strukturen des unteren Teils kunstvoll eingearbeitet ist. Einerseits stellt er sein Inneres durch dieses Seelenbild als durchlässig dar, die Erscheinung der kykladisch anmutenden Feenkönigin vollzieht sich in einer kristallin aufgefächerten Flora, auf die alles wie fallende, ja einschlagende Planeten herein- und hindurchbricht. Die Wahrnehmung überbrückt sogar die Trennung zur kosmischen Ebene: Auch das fernste Asteroid hat den Status eines Seelenphänomens, wird als Glaskugel zum Symbol für die erweiterte Innenlage seines Sichtfeldes, von der uns André Breton angesichts von Pays interdit berichtet: „Vielleicht, ja bestimmt ist es für unsere Zeit eine Versuchung des Auges, sich in jenes ideelle Stadium der Schöpfung zu versetzen, in dem die Schmetterlinge ein einziges Band zum Abschneiden bildeten, in dem die Vögel noch alle zusammen eine einzige Musikspirale anstimmten, da die Fische noch ungeschieden im Innern eines Silberschiffchens umherschwammen. (…) Fenster, blind wie Lampen nächtlicher Diebe, Kinder sehen solche Farben, wie sie sich im Rund einer Seifenblase krümmen – leider öffnen sie sich nur von innen. Aber Paalens Verdienst ist es, soweit vorgedrungen zu sein, dass er aus dem Inneren der Seifenblase zu sehen vermochte und uns die Welt von dorther sehen lässt.“ Über den gesamten Zeitraum der letzten Pariser Jahre vor Ausbruch des Krieges und der Zerstreuung der Surrealisten verteidigt Breton mit solchen und ähnlichen Worten Paalens besondere Auffassung einer in Wahrheit ungeteilten Welt, deren Widerspruch zur, im Surrealismus vorherrschenden Ideologie des Freudomarxismus erst während der Exiljahre zum offenen Konflikt führt.

 

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