Education

In 1919 the family moved to Rome, where they kept a luxurious household in the Villa Caetani on the Gianicolo and received many guests, such as the German painter Leo von König (1871–1944) who became Wolfgang’s first art teacher. It was in Rome, under the guidance of his father´s friend, the archeologist Ludwig Pollak, that he became an expert in Greek and Roman archaeology. In 1923 he returned to Berlin alone to apply for the Academy. Although unsuccessful, he met his lifelong friend, companion and patron, the Swiss violinist and photographer Eva Sulzer (Winterthur 1902 – 1990 Mexico City). In 1925 he exhibited at the Berlin Secession and studied further in aesthetics, deeply influenced by Julius Meier-Graefe, Nietzsche, Schopenhauer and the Gestalt theory of Max Wertheimer. After another year of studies, in Paris and Cassis (1925–26), where he met Roland Penrose, Jean Varda (Janco) and Georges Braque, he visited the art school of Hans Hofmann in Munich and, in 1928, Saint-Tropez. He then decided to settle in Paris. The year 1928 marks also the beginning of the decline of the family´s splendour, once founded on the patriarchal rules of the Austro-Hungarian monarchy. After a homoerotic affair with a mental healer, his younger brother Hans-Peter died unexpectedly in a Berlin insane asylum, presumably of suicide; the parents consequently separated; their mother´s bipolar disposition intensified as a result; the fortune of Gustav Paalen is quashed after the Black Tuesday, 1929. A later tragedy, crucial to Paalen’s development, was his beloved brother Rainer’s shooting himself in head with a pistol. Wolfgang witnessed the event, although Rainer survived, following treatment in a Berlin hospital and escaped from the city in 1933. He died in a mental hospital in Czechoslovakia in 1942.

 

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Wolfgang Paalen besuchte die Grundschule und das humanistische Gymnasium (Lateinschule) in dem von Wallenstein erbauten Renaissanceteil der Stadt Sagan, bevor die Familie während des Krieges einen Privatlehrer engagierte, der sich auch als Organist in der Saganer Kirche und Komponist betätigte. Er brachte Paalen neben Latein, Philosophie und Kosmologie u. a. die Musik Johann Sebastian Bachs nahe. In autobiografischen Berichten verknüpft er seine Kindheit im Saganer Schloss der Eltern mit einem halluzinativen Erweckungserlebnis, das ihm 1938, auf dem Höhepunkt seiner surrealistischen Zeit, als Begründung seiner Idee untrennbarer Verschränkung von Wahrnehmung und gegenständlicher Welt diente: „Ich denke an den Feenzauber, der eines nachts in meiner Kindheit stattfand. Zwischen einem einzigen herbstlichen Sonnenuntergang und Aufgang hatte ein erstaunlicher Aufmarsch unzähliger Prozessionen von Nonnenfaltern den gesamten Wald verheert. Alle Bäume zwischen dem Sunga-Haus und der Anhöhe, wo sich das Nachbarschloß erhob – erschienen dann plötzlich und zum ersten Mal über dem Skelett des Waldes in der morgendlichen Betäubung. Wir rieben uns die Augen; es war wirklich und wahrhaft dort wie eines dieser Schlösser, die sich in der Laune eines bösen Prinzen hervorzaubern, der sein Tuch berührt. Die ganze silvanische Natur hielt trügerisch entwaffnet ihren Atem an, lautlos und wie in opakes Glass verwandelt; unter unseren Schritten knirschten nur die vereisten Tannennadeln. Die erste Bö ließ uns zittern, an den Lippen des Nordwindes klang der ganze Wald wie ein Kristallglas.“ Wenn der Mensch kraft seiner Imagination Dinge zur Erscheinung bringen kann, müssen sie kontingent, d.h. latent in der Wirklichkeit vorhanden sein – das ist eine der grundlegenden Erkenntnisse des jungen Paalen, die er durch den Surrealismus umfassend vertiefen, aber auch gegen ihn selbst verteidigen sollte: Die Wahrnehmung projiziert nicht nur rein subjektive Inhalte, sondern verknüpft den Sehenden mit einer Art transdimensionalem Kontinuum aus Möglichkeiten. Während der Kriegsjahre beschäftigte sich Paalen auch intensiv mit den dichterischen Werken der deutschen Romantik, der Philosophie Arthur Schopenhauers und den indischen Veden, in denen ähnlich gegen-subjektivistische Sichtweisen aufscheinen.

1919 siedelte die Familie nach Rom, wo Paalen einen sporadischen Unterricht bei Leo von König begann, den er nach seiner Rückkehr 1924 in Berlin fortführte. In Rom führte ihn der Prager Archäologe Ludwig Pollak in die griechische und römische Archäologie und die Geheimnisse um den Laokoon und die Laokoon-Gruppe ein, dessen verlorenen Arm Pollak gefunden und dem Vatikan vermacht hatte. Zurück in Berlin kam er in Kontakt zu Julius Meier-Graefe. Er machte einen erfolglosen Aufnahmeversuch an der Kunstakademie, lernte seine spätere Mäzenin Eva Sulzer und den Schweizer Maler Serge Brignoni kennen und betrieb private Studien in Ästhetik und der Gestalttheorie Max Wertheimers, die ihn zum ersten Mal mit Ansätzen eines (gestalttheoretischen) Holismus konfrontierten. 1925 stellte er in der Berliner Sezession aus. Nach einem Jahr in Frankreich (Paris und Cassis), in dem er in Kontakt zu Roland Penrose, Jean Varda und Georges Braque kam, besuchte er 1927/28 die Kunstschule von Hans Hofmann  in München und Saint Tropez. Danach blieb er in La Ciotat und Paris. 1928 markiert auch den Anfang des familiären Niedergangs. Die einst auf den patriarchalischen Grundsätzen der österreichischen Monarchie aufgebaute Familie zerbrach in Folge des überraschenden Todes eines der jüngeren Brüder, der nach einer unglücklichen homoerotischen Beziehung zu einem Geistheiler in einer Berliner Nervenheilanstalt vermutlich durch Selbstmord ums Leben kam; als Folge trennten sich die Eltern, die Mutter litt zunehmend unter ihrer bipolaren Veranlagung, das väterliche Vermögen wurde nach dem Schwarzen Freitag 1929 aufgezehrt. Eine weitere Tragödie ereignete sich in der Bibliothek des Saganer Schlosses 1932: Wolfgang musste mit ansehen, wie sich sein nächster Bruder Rainer mit der Pistole anschoss. Er überlebte zwar den Selbstmordversuch, trug aber zeitlebens ein schweres Trauma mit sich herum, das seine ebenfalls bipolare Anlage verstärkte. Er floh nach der nationalsozialistischen ”Machtergreifung” 1933 barfuß und nur mit einem Hemd bekleidet zu Fuß aus Berlin nach Prag, wo er sich als Hellseher betätigte und zum Katholizismus konvertierte. Er starb 1942 in einer tschechoslowakischen Nervenheilanstalt mutmaßlich durch Euthanasie. Rainers Schicksal beschäftigte Wolfgang Paalen zeitlebens und ist wohl einer der Gründe für die betont aufklärerische und antitheologische Ausrichtung seiner Recherche innerhalb des Surrealismus auf den Komplex religiöser Gefühle und ihrer tiefenpsychologischen Bedeutung sowohl für das menschliche Leben als auch für das Kunstwerk.

 

 

 

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